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Braun SK 5

 

Warum die Radio-Phonokonsole SK 5 schnell den Spitznamen "Schneewittchensarg" bekam, sieht man auf den ersten Blick. Die damals neuartige Acrylabdeckhaube wurde fortan zu einem neuen Standard in der Unterhaltungselektronik

 

Goldfarbene Zierleisten, dunkel gebeiztes Holz, sandfarbene Stoffbespannungen. So sahen die Radios und Musiktruhen Mitte der 50er Jahre aus. Das war bei Braun bis dahin nicht viel anders gewesen. Dann rückten die Söhne Artur und Erwin Braun in der geschäftlichen Rangfolge nach, und sie beschlossen, alles anders als bisher zu machen. In einer eigenen Abteilung für Produktgestaltung wurde getüftelt und probiert. Ende 1956 ging es mit einem Paukenschlag los: Der neue "Phonosuper SK 4" wurde präsentiert, Kostenpunkt 295 D-Mark. 

Ungewohnt für damalige Verhältnisse war das streng mit Lüftungs- und Lautsprecherschlitzen versehehe Gehäuse aus gekantetem Stahlblech mit ebenso klaren Seitenwangen aus mit Ulme furniertem Pressholz. Ursprünglich sollte auch der Deckel aus Blech gebogen werden, aber beim ersten Klopftest sorgte ein blechernes Scheppern für hochgezogene Augenbrauen. Der damals frisch engagierte Designer Dieter Rams schlug den neuartigen Werkstoff Acryl als Lösung vor. Und somit wurde Designgeschichte geschrieben.


Deckel auf, mit der für Braun-Geräte noch lange typischen Fallstütze, die per Hand aus der Einrastung gehoben werden muss. Involviert waren in das Projekt später namhafte Gestalter wie Wagenfeld, Otl Aicher, Hans Gugelot und natürlich Braun-Hausdesigner Dieter Rams. Die ursprüngliche SK 4-Version von 1956 trägt nur drei Gummiauflagen am Plattenteller, der Urentwurf ist also noch reduzierter in seiner Ausführung als das hier zu sehende SK 5-Modell von 1958.

 

Die ursprüngliche SK 4-Version verfügt über ein Radioteil mit UKW- und Mittelwellenempfang. Zudem gab es neben dem Lautstärkedrehknopf nur noch einen Tonregler. Das Nachfolgemodell SK 4/1 von 1957 bekam für Höhen und Tiefen getrennte Reglerknöpfe, zudem bekam der Plattenspieler noch die Tellerdrehzahl 16/min spendiert, die in der Hauptsache für Schulungsschallplatten mit untergeordneter Klangqualität aber langer Spieldauer gebraucht wurde. Die SK 5-Version wurde im Radioteil noch um den Empfang für Langwelle ergänzt. Der SK 5 ist zugleich die letzte Version im typischen Design des Urmodells mit dem schnittigen Wagenfeld-Tonarm. Es ist zugleich die letzte Vresion in reiner Mono-Ausführung mit der bewährten EL 84-Röhre in der Endstufe. Die nachfolgende SK 6-Version war ab 1961 bereits für Stereobetrieb vorbereitet und mit dem an den Zeitgeschmack angepassten Plattenspielereinsatz vom Typ PC 4 versehen.

 


Die Version SK 5 von 1958 war noch mit dem Wagenfeld-Tonarm der Ur-Version versehen. Mit dem Nachfolgemodell kam auch ein frischen Plattenspieler-Design in Gestalt des Braun PC 4-Drehers.

 

Auch der Mono-SK 5 lässt sich mit Zusatzlautsprecher betreiben und damit klanglich auf eine breitere Basis stellen. Passend zum Design bieten sich die Braun-Lautsprecher L 1 und L 11 an, die exakt das identische Stellmaß wie der Phonosuper aufweisen. Die Box ist mit einem Ovallautsprecher und einem Hochtöner bestückt, beide Treiber lieferte Isophon.


Detail am SK 5: Hochwertiges und schön eingepasstes Haubenscharnier.

Der Braun-Schneewittchensarg revolutionierte nebenbei auch noch die Wohnkultur. Kaum ein Möbelprospekt oder Ausstellungsgestalter kam ab 1957 noch ohne ihn als stilbildende Dekoration für das "moderne Wohnumfeld" aus.