Raumnadel-System (Room Cantilever)


Der serienmäßige Nadelträger wird durch zwei weitere, aus Kohlefaser gefertigte Mikrostreben abgestützt. Eine dritte, hier nicht sehbare Strebe, koppelt noch die beiden Magnetstifte des umgebauten Audio Technica MM-Systems. Auf diese Weise entsteht ein perfekter Dreiecksverband



Nadelträger üblicher Tonabnehmersysteme kann man sich vorstellen wie einen Fahnenmasten im Wind. Stabil, aber nicht wirklich steif. Für Tonabnehmer-Systeme heißt das: Die Übertragung der Rillenmodulation via Abtastdiamant zum elektrischen Generator ist nicht perfekt. Es kommt zu Biegungen und damit zu Übertragungsverslusten und Unsauberkeiten.


Die neue, gesetzlich geschützte Raumnadel (Room Cantilever) vermeidet Biegeverluste durch eine konsequente Bauweise. Der Nadelträger ist dreidimensional abgestützt. Die verbindenden Elemente werden nur noch auf Zug und Druck beansprucht. Die Energie des Abtastdiamanten wird perfekt und ohne Umwege in den elektrischen Generator eingeleitet.


Lassen Sie es mich in einem Vergleich ausdrücken: Bislang fuhr der Abtastdiamant auf einem Fahrradrahmen durch die Rille. Das Raumnadel-System dagegen ist ein Ducati-Rennchassis.


Das Resultat ist reiner Musikgenuss. Beim Abspielen der Platten kommen unweigerlich Begriffe wie "Natürlichkeit" und "Masterband" in den Sinn. 


Kann es sein, dass die Hersteller einen derart gravierenden Schwachpunkt in ihren Tonabnehmersystemen seit Jahrzehnten ignorieren oder nicht erkennen? Natürlich nicht. 


Es gab und gibt Fabrikanten, die sich offensichtlich Gedanken um die zwangsläufigen Biegeverluste üblicher Nadelträger gemacht haben. JVC etwa montierte in den siebziger Jahren eine mikrofein geätzte Tonspule in unmittelbare Nähe zum Abtastdiamanten auf den Träger. Ähnlich machte es Dynavector bei den 17er-Typen. Decca-London ist als eines der ungewöhnlichsten Systeme gleichfalls zu nennen. Hierbei ist der magnetische Nadelträger selbst Teil des raffinierten Generatorsytems. In jüngerer Zeit machen auch die südkoreanischen Allnic-Systeme von sich reden. Bei diesem System sitzen die beiden sehr großen, im 90 Grad-Winkel angeordneten Kupferspulenträger extrem weit vorne auf dem dann kurzen, stämmigen Nadelträger.


Das allgemein ob seiner Natürlichkeit gelobte Decca- und auch das zuletzt genannte Allnic-System demonstrieren zugleich, dass das Thema "bewegte Masse" offenbar in all den Jahren zu heiß gegessen wurde. Manche "Experten" sind ja sogar der Ansicht, selbst das Gewicht des winzigen Abtastdiamanten sei klangentscheidend.  


Sollten Sie jetzt neugierig geworden sein, dann lade ich Sie herzlich zum Experimentieren ein. Machen Sie es zum Einstieg in die Raumnadel-Materie wie ich: Kaufen Sie sich ein Audio Technica AT 95 E-System. Wegen der Magnetanordnung sind sämtliche AT MM-Systeme die ideale Ausgangsbasis für den Raumnadel-Umbau. Besorgen Sie sich für die Microstreben noch dünnes Kohlefasermaterial, dazu eine Uhrmacherlupe, eine spitze Pinzette und geeigneten Klebstoff. Wenn Sie mit ruhiger Hand alles zusammengefügt haben, dürfen Sie vor dem Einsetzen des Nadelträgers nicht vergessen, das Gehäuse an den jetzt voluminöseren Träger anzupassen. Sie werden verstehen, wenn ich Ihnen nicht alle Geheimnisse anvertraue. Ein bisschen sportlicher Ehrgeiz sollte schon mit im Spiel sein. Ich sage nur so viel: Wenn Sie es geschafft haben, werden Sie es nicht bereuen und höchstwahrscheinlich alle anderen Systeme, die sonst noch bei Ihnen derzeit brav Dienst schieben, in die Vitrine packen.  


Passend zurecht geschliffene Microstreben aus Kohlefaser koppeln den Abtastdiamanten direkt an den Magnetgenerator des AT-Nadelträgers. Biegeverluste haben schlußendlich keine Chance mehr

Auf Raumnadel-Abtastung umgebauter Nadelträger für das Audio Technica AT 95 E. Die Querversteifung der V-förmig angeordneten Magnete ist gut zu erkennen. So entstehen ideale Dreiecksverbände. Besser geht es nicht

Die Raumnadel-Abtastung eignet sich nicht nur für MM-Systeme sondern ebenso für MC-Systeme. Das Bild zeigt ein umgebautes Denon DL 103. Bei diesem Versuchsmuster wurde der Durchbruch für den wesentlich voluminöseren Nadelträger im Magnetjoch extrem vergrößert. Dadurch spielt es zwar etwas leiser als im Serienzustand, dafür ist die Tonalität nicht wieder zu erkennen. Aus dem ehemals wilden Haudrauf ist ein kultiviertes, bassstarkes und ungemein fein ziseliert aufspielender Tonabnehmer geworden. Für eine optimale Anbindung der Microstützen an den Tonspulengenerator sollte jedoch das Trägerkreuz speziell gearbeitet sein. Eine Aufgabe, die der Hersteller oder Zulieferer übernehmen müsste. Für nachträgliche Umrüstung auf die Raumnadel sind MC-Systeme deshalb weniger geeignet

Weiterentwicklung des Raumnadel-Systems auf Basis des wunderbarern Budget-Systems vom Typ Audio Technica AT 95 E. Es wurde in einen Korpus aus Elsbeerenholz implantiert, der zusätzlich mit einer Metalleinlage beschwert wurde. Das Gesamtgewicht des Systems beträgt damit 10 Gramm. Wegen der erhöhten Massenträgheit und der zusätzlichen Beruhigung des Metallgehäuses gewinnt diese Variante gegenüber dem AT 95 E-Serienkunststoffgehäuse nochmals an Energie und Klarheit

Fertig bestückte Raumnadelsysteme Typ "Elsbeere" warten auf ihren Einsatz. Wegen der dichten Struktur eignet sich Elsbeere als eines der wenigen Hölzer zum Einschneiden von metrischen Gewinden. Das System kann deshalb - mit gebotener Vorsicht und entsprechend langen Schrauben - direkt und ohne zusätzliches Mutterngefummel in der Headshell montiert werden. Sehr angenehm